Tarifvertrag landwirtschaft sachsen 2019

Die meisten Tarifverträge definieren Grenzwerte für die Verwendung von Arbeitszeitkonten. Die vereinbarten Grenzwerte liegen zwischen 40 und 600 Stunden für maximale Arbeitszeitgutschriften und zwischen 20 und 170 Stunden für maximale Arbeitszeitbelastungen. Darüber hinaus schreiben die meisten Tarifverträge einen bestimmten Zeitraum vor – in der Regel zwischen sechs Monaten und zwei Jahren -, innerhalb dessen das Arbeitszeitkonto ausgeglichen werden muss. Tabelle 2 enthält die in einer Auswahl von Vereinbarungen festgelegten Grenzen. Die meisten Tarifverträge sehen eine regelmäßige (mindestens monatliche) Information der Arbeitnehmer über den Saldo ihres individuellen Arbeitszeitkontos vor. Viele Tarifverträge geben den Betriebsräten auch Informations- und Anhörungsrechte über die Verwendung von Arbeitszeitkonten. Nur wenige Vereinbarungen beziehen die Tarifparteien in die Festlegung der Arbeitszeitkontenbestimmungen auf Unternehmensebene ein. Laut einer im Februar 1998 veröffentlichten Studie des Instituts für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WSI) gibt es zahlreiche tarifliche Bestimmungen zur Einführung von “Arbeitszeitkonten” in Deutschland, die zu einem wichtigen Instrument für flexible Arbeitszeitregelungen geworden sind. Die weitverbreitete Einführung kollektiv vereinbarter Arbeitszeitkonten gibt den Unternehmen die Möglichkeit, weit reichende flexible Arbeitszeitregelungen zu haben, die den sich wandelnden Marktzwängen sehr nahe kommen. Tarifverträge über Arbeitszeitkonten sind darüber hinaus ein weiterer Beweis dafür, dass das deutsche System branchenweiter tariflicher Tarife viel flexibler und differenzierter ist als sein Image.

Darüber hinaus hat sich die Einführung sogenannter individueller Arbeitszeitkonten in den letzten Jahren zu einem wichtigen Instrument für flexible Arbeitszeitregelungen entwickelt. Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WSI) gibt es zahlreiche Tarifverträge, die Bestimmungen für die Einführung und Anwendung dieser Arbeitszeitkonten enthalten.” Ein Überblick über tarifliche Regelungen”, Reinhard Bispinck, WSI Informationen zur Tarifpolitik, Düsseldorf, Februar 1998). Seit Mitte der 80er Jahre ist die Entwicklung der tariflichen Arbeitszeit in Deutschland vor allem das Ergebnis eines Kompromisses zwischen den Forderungen der Gewerkschaften nach kürzerer Arbeitszeit und der Forderung der Arbeitgeber nach mehr Arbeitszeitflexibilität. Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, ist die durchschnittliche Jahresarbeitszeit in Westdeutschland in den letzten zehn Jahren von 1.732 stunden im Jahre 1987 auf 1.644 Stunden im Jahr 1997 um etwa 88 Stunden zurückgegangen. In den letzten Jahren hat sich die Arbeitszeitverkürzung jedoch deutlich verlangsamt: Seit 1993 wurde die durchschnittliche Jahresarbeitszeit nur um etwa 16 Stunden reduziert. Laut der WSI-Studie orientiert sich das vorherrschende Arbeitszeitkontomodell eher an einer flexiblen Anpassung an kurz- und mittelfristige Veränderungen der Marktsituation. Obwohl die meisten Tarifverträge eine allgemeine Absichtserklärung zur Verbesserung flexibler Arbeitszeitmöglichkeiten im Interesse der Arbeitnehmer enthalten, wird die Verwendung von Arbeitszeitkonten in Wirklichkeit in erster Linie von den Bedürfnissen der Unternehmen beeinflusst. Tarifierte Bestimmungen über Arbeitszeitkonten sollen daher auch die Arbeitnehmer vor einer einseitigen Unterordnung unter die Flexibilitätsforderungen der Arbeitgeber schützen, heißt es in dem Bericht.